Aufregend war der X. Kongress für Gesundheitsnetzerker in Berlin am 29. und 30.04.2015. Viele frische Ideen und wenig Verständnis für die alten Zöpfe des Gesundheitswesens. Unter dem Motto „Versorgung X.0 verzahnt.vernetzt.verlinkt“ trafen sich Denker, Macher und Entscheider aus der Welt der Internetmedizin.

Alles ohne eHealth-Gesetz

Einmal mehr wurde deutlich, dass sich gute Ideen nicht von fehlenden Regelwerken und Infrastrukturen aufhalten lassen. Die irrige Ansicht u.a. auf dem Kongress von dem KBV-Vertreter wiederholt, die Internetmedizin sei unsicher und nicht evidenzbasiert wurde durch eine Reihe von guten Ansätzen der vorgestellten Startups widerlegt. Seien es die nun schon fast alten Hasen der Szene wie Patientus oder tinnitracks oder die preisgekrönten Newcomer wie onelife und preventicus. Sie alle nehmen den Datenschutz und die -sicherheit ernst und integrieren die aktuell möglichen Sicherheitsmechanismen und haben darüber hinaus auch die Hürde der MPG-Zertifizierung auf sich genommen um ihren Kunden und Patienten einen verlässlichen und sicheren Service anbieten zu können. Dazu gehört auch Onelife, die mit ihrem ersten Produkt ONELIFE BABY Unterstützung für werdende Eltern anbieten. Die preisgekrönte Lösung, die in Zusammenarbeit mit Kliniken medizinisch fundiert Informationen ansprechend aufbereitet bereit stellt, versteht sich als lebensbegleitenden Ansatz. Auch Preventicus ist evidenzbasiert und macht aus Quantify Yourself eine auch für den behandlenden Arzt verwendbare Aufzeichung von Biosignalen. Patientus der sichere Kanal für die Videosprechstunde verhandelt derzeit mit Krankenkassen über eine Kostenerstattung – und all das ganz ohne eHealth-Gesetz.

Das soziale Kompetenz wichtig ist, gehört inzwischen zum Kanon der Allgemeinwissens, dass sie auch hoch mit mentaler Gesundheit und Lebensqualität korreliert konnte Affective Signals wissenschaftlich fundiert zeigen, dass sich daraus ein Trainingsprogramm mit hohem Unterhaltungswert und Unterstützungspotential für die Psychotherapie ableiten lässt machte den großen Charme des vielversprechenden StartUps aus.

Ernsthafte Medizin im Internet und doch Fernsehkoch für Medizin

Publikumsliebling war mit Sicherheit mal wieder DoktorJohannes der in lockerer Weise und sehr gut gelaunt über den erfolgreichen Werdegang vom ersten Videoblog bis zu einer sich geradezu viral verbreitenden videobasierten Informationsplattform berichtete.„Ich habe nie einen Businessplan geschrieben“, gab er freimütig zu und hat dennoch zwischenzeitlich über alle Kanäle 7-stellige Abrufe. Die Session zum Thema Serious Health, also ernsthafte Medizin im Internet beendete er mit der Einladung an die Ärzte, es ihm gleicht zu tun und die Internetmedizin mitzugestalten: „Ich bin sowas wie ein Fernsehkoch, derzeit noch der einzige.“ Medizinische Inhalte ganz ernsthaft und fundiert und dabei funny und außerordentlich unterhaltsam aufbereitet – das ist sein Markenzeichen und seine Erfolgsstory. Gleichzeitig ist es eine Aufforderung an alle jungen StartUps und alteingesessenen Hersteller, genau das zu tun. Mit großer Ernsthaftigkeit und medizinischer Kompetenz Nutzern, Partnern und Kunden Inhalte gerne auch prozessunterstützend auf eine viel emotionalere und leichtere Weise anzubieten. Sebastian Vorberg, Vorstandsmitglied des Bundesverband für Intermetmedizin, der maßgeblich an der Gestaltung des Kongresses beteiligt war, brachte es sehr knackig und energisch auf den Punkt: „Wir haben kein Datenschutzproblem, sondern eine Aufklärungspflicht!“ und entkräftete auf sehr eindrucksvolle Art und Weise ein „Datenschutzvorurteil“ nach dem anderen. Botschaft und Fazit des Kongresses könnten gleichsam lauten: Macht ernsthafte Internetmedizin, Anwendungen mit wissenschaftlichem Background, die Menschen und Patienten helfen. Macht sie sicher, macht sie hübsch. Und vor allen Dingen: Tut es endlich, wartet nicht auf Gesetze, Regularien und Institutionen!

Wir haben kein Datenschutzproblem … X. Kongress für Gesundheitsnetzwerker

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